Thai-Tee Blog

Doi Wawee

27. -30. Mai 2011

Doi WaweeTee-Plantagen in Doi Wawee, Nordthailand

Die Anreise

Doi Wawee ist ein sehr abgelegenes Dorf in den Bergen Nordthailands, etwas westlich von Doi Mae Salong auf einer Höhe von etwa 1500m gelegen. Ich hatte wiederholt Hinweise aus privaten und Internet-Quellen erhalten, dass die dort ansässige Gemeinde von Kuomintang-Chinesen ebenfalls im größeren Stil Tee anbaue und plante daher bereits seit längerer Zeit einen Besuch in der abgelegenen Bergenklave. Nun war es endlich soweit. Wieder gemeinsam mit meinem 6-jährigen Sohn Alex, der mich auf allen meinen Teereisen begleitet hatte, war unser Plan, mit dem Bus von Chiang Mai nach Chiang Rai zu reisen und dort ein Motorrad für die Weiterreise zu mieten, da bisher keine öffentlichen Verkehrsmittel nach Doi Wawee fahren.

Wir brauchen etwas mehr als 2 Stunden für die Fahrt auf dem Motorrad von Chiang Rai nach Doi Wawee. Die Straße ist ein kurviges Auf und Ab, aber die sich pausenlos abwechselnden Berg-Panoramen und Ausblicke über malerische Täler, sorgen dafür, dass unterwegs keine Langeweile aufkommt.

Flusstal vor erhabener Bergkontur zwischen Chiang Rai und Doi Wawee

Wir fahren zunächst zurück in Richtung Chiang Mai, biegen nach etwa 15km rechts ab vom Superhighway auf eine immer noch sehr ordentliche Straße, die nach Mae Suay führt. Von dieser biegt nach etwa 50km kurz vor Mae Suay eine nicht mehr ganz so ordentliche, aber doch überwiegend als asphaltiert titulierbare Straße nach links ab. Wir folgen ihr und beginnen den 50km langen Aufstieg, nicht kontinuierlich, sondern in Form einer Folge von Bergen und Tälern, die uns letztlich von einem Peak zum nächsten immer weiter nach oben tragen wird.

Flusstal mit Bergkette-Hintergrund auf dem Weg nach Doi Wawee

Leider sind wir etwas spät dran. Die Vorstellung nach Einbruch der Dunkelheit und im schlimmsten Fall im Regen noch auf dieser Straße zu sein, bewegt mich zu einem recht rasanten Fahrstil. Die Gipfel der Berge über uns und dann auch unter uns sind zum Teil wolkenverhangen.

Wolkenverhangene Berggipfel bei Doi Wawee, Nordthailand

 

Ankunft in Doi Wawee

Wir haben Glück und schaffen es nicht nur gerade so, sondern auch trocken. Als wir in Doi Wawee ankommen, ist es dann allerdings dunkel. Die einzige Übernachtungsmöglichkeit des Ortes ist das Laolee Resort, geführt von einer chinesischen Familie, der, wie wir später erfahren sollen, nicht nur der größte Teil der umliegenden Teeplantagen gehört, sondern die auch maßgeblich an der Idee und Realisierung der Teepflanzenimporte aus Taiwan und der anschließenden jahrelangen Entwicklung von Tee-Anbau und -Vertrieb in Doi Wawee beteiligt ist.

Schild Laolee Hill Resort im Tee-Dorf Doi Wawee, Nordthailand

Wir sind froh angekommen zu sein und machen es uns nach Bezug des hervorragenden und mit 600THB pro Übernachtung sehr preisgünstigen Zimmers im Restaurant des Resorts gemütlich.

Restaurant des Laolee Resorts im "Tee-Dorf" Doi Wawee, Nordthailand

Wir sind in dieser Jahreszeit die einzigen Gäste, ein Luxus, der mit einer bevorzugten Bedienung verbunden ist. Die Karte führt ausschließlich chinesische Gerichte, womit Alex Probleme hat, ich nicht. Das Gespräch kommt schnell auf Tee und wir hören einen Abriss der Geschichte des Teeanbaus in Doi Wawee, wobei wir unter anderem erfahren, dass Doi Mae Salong, die größere chinesische „Schwesterstadt“ Doi Wawees in Nordthailand, von der chinesischen Gemeinde in Doi Wawee zur Kultivierung und Verarbeitung von Teepflanzen aus Taiwan überhaupt erst inspiriert wurde und die Idee auch erst zwei Jahre nach Doi Wawee aufgriff. An beiden Orten gab es zuvor lediglich die spezielle Camelia Sinensis-Spezies, die wild und in Form größerer Bäume wächst, wie wir sie in Pang Kahm an der Grenze zu Burma gesehen hatten, zu sehen und nachzulesen in meinem Artikel

„Pang Kham: Teedorf im Niemandsland“.

 

Die ältere und jüngere Geschichte Doi Mae Salongs und des dortigen Tee-Anbaus kann in meinen ausführlichen und gut illustrierten Artikeln

Reise nach Doi Mae Salong

und

Tee-Anbau in Thailand

nachgelesen werden. Einen detaillierten Überblick über den politischen und militärischen Kontext sowie die Verbreitung der verbliebenen Kuomintang-Soldaten nach Jahren des Kampfes gegen Maos Revolutionsarmee von Burma aus über Nordthailand sowie Teile Kambodschas und Taiwans liefert der Geschichtsabriss der Kuomintang-Aarmee auf der Webseite von GT-Riders.

Da es bei unserer Ankunft am Abend bereits dunkel war, wissen wir eigentlich nur theoretisch, wo wir sind. Der nächste Morgen bringt Licht:

Unser Bungalow im Laolee Hill Resort in Doi Wawee, Nordthailand

Unser Zimmer verfügt nicht nur über 2 bequeme Betten, ein separates Bad mit heißer Dusche und einen Fernsehapparat, auf dem dank Sat-Technologie ausnahmsweise einmal keine thailändischen, sondern ausschließlich chinesische Programme zu sehen sind, sondern auch über einen rückseitigen Balkon, der uns offenbart, dass wir für Tee hier definitiv am richtigen Ort sind.

Blick vom Balkon unseres Bungalows in Doi Wawee auf Tee-Plantagen

 

Ausflug nach Thaton

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, bekomme ich auf die Frage, wo ich einen Geldautomaten finde, zur Antwort, der nächste befinde sich im knapp 20 km entfernten Ort Thaton. Nun, angesichts meiner offensichtlich miserabel geplanten Barbestände bleibt uns nicht anderes übrig als die für diesen Tag geplante Besichtigung von Tee-Plantagen und -Fabrik in Doi Wawee um einige Stunden zu verschieben. Im Nachhinein bereuen wir den eigentlich ungeplanten Ausflug nach Thaton in keinster Weise: Den sich uns bietenden Hochland-Pamnoramen tut auch der an diesem Tag herrschende Dauer-Nieselregen nicht den geringsten Abbruch…

Berg- und Tal-Panorama bei Doi Wawee, auf dem Weg nach Thaton

Da Thaton in einem Flusstal liegt, müssen wir einen Höhenunterschied von etwa 1000 m hinter uns bringen. Der Ausblick, der sich uns kurz vor dem finalen „Abstieg“ über das Tal von Thaton bietet, ist schier atemberaubend.

Tal von Thaton, nahe dem Tee-Anbaugebiet Doi Wawee, Nordthailand

Nachdem wir uns in Thaton mit neuem Bargeld eingedeckt haben, fahren wir zurück nach Doi Wawee und machen uns dort an die Besichtigung der Tee-Plantagen. Von unserem Resort aus ist ein großer Teil der Anbauflächen zu Fuß erreichbar.

Tee-Plantagen beim Laolee Resort in Doi Wawee, Nordthailand

 

Besuch der Tee-Plantagen von Doi Wawee

Wir klettern eine Weile in den Tee-Hängen herum, wobei sich immer neue Perspektiven eröffnen, die ich nur allzu gern fotografisch festhalte. Es ist gut zu sehen, dass die Anbauflächen den bewaldeten Hügeln einst mühsam abgewonnen werden mussten.

Tee-Hang nahe dem Laolee Resort in Doi Wawee, Nordthailand

Als wir uns gerade auf den Rückweg machen wollen, begegnen wir einem Sohn der Betreiber-Familie von Resort und der Plantagen, den wir am Vorabend bereits im Resort bereits kennengelernt haben, und er lädt uns zu einer Besichtigung der unweit gelegenen familieneigenen Teefabrik ein. Wir lassen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen.

Besichtigung in der Tee-Fabrik

Vor der Fabrik liegen große Mengen an Teeblättern zum Trocknen ausgebreitet in der Sonne. Weitere Haufen von Teeblättern werden gerade gleichmäßig auf dem Boden verteilt.

Ausgebreitete Teeblätter vor der Tee-Fabrik in Doi Wawee, Thailand

Die Fabrikhalle selbst ist für die lokalen Verhältnisse außergewöhnlich groß, was angesichts des Ausmaßes der Anbauflächen jedoch nicht überrascht.

Tee-Fabrik in Doi Wawee, Nordthailand

Wir sehen Ausrüstung und Maschinen, wie wir sie bereits von Doi Mae Salong und Pang Kham her kennen. Während im ebenfalls recht abgelegenen Pang Kham jedoch eher alte und sehr handarbeitsintensive Geräte zu sehen waren, ist der Maschinenpark hier, wie auch in Doi Mae Salong, sehr modern und für die Verarbeitung großer Mengen an Teeblättern angelegt. Wir kommen gerade rechtzeitig, um den größten Teil eines Verarbeitungszyklus zu verfolgen. Eine Ladung von unter Rotation hitzebehandelter Teeblätter verlässt gerade eine überdimensionale Heiztrommel.

Überdimensionierte Teeblätter-Heiz-Rotationstrommel in Doi Wawee

Weiterbehandelt wird der Tee dann mit den typischen „Zentrifugen“. Von diesen sehen wir hier sowohl die Legacy-Version, wie wir sie von Pang Kham kennen, aber auch moderne Ausführungen wie in „unserer“ Tee-Fabrik in Doi Mae Salong.

Tee-Zentrifugen in Doi Wawee: Legacy- und modernere Versionen

Der Transport des behandelten aus der Fabrik zurück ins Freie erfolgt mittels einer eher „traditionellen“ und recht arbeitsintensiven Methode.

Transport der behandelten Teeblätter aus der Fabrik in Doi Wawee

 

Tees aus Doi Wawee

Nach unserer Besichtigung der Tee-Fabrik und zurück im Resort sehen wir uns im Resort-eigenen Tee-Shop um, der auf den ersten Blick einiges zu bieten hat.

Hauseigener Tee-Shop im Laolee Hill Resort in Doi Wawee, Thailand

Neben eindeutigen Merkmalen der Zuordnung zum chinesischen Kulturkreis springt vor allem eines direkt ins Auge: ein auf dem Ladentisch des Tee-Shops thronendes, gut 1 m hohes Pu‘ Er-Tee-Monument.

Tee-Shop im Laolee Resort in Doi Wawee, Nordthailand, Collage

Es stellt sich heraus, dass dieses nicht nur ein Zierelement des Shops ist, sondern einen Zweig der Tee-Verarbeitung in Doi Wawee repräsentiert, der in Nordthailand einzigartig ist: Die Herstellung von Pu‘ Er-Tee. Pu‘ Er-Tee ist ein über einen längeren Zeitraum postfermentierter und meist gepresster nicht-oxidierter Grüner Tee, hergestellt aus einer großblättrigen Camellia Sinensis-Spezies. Die Postfermentierung erfolgt hierbei mittels mikrobiotische Prozesse, die von im Tee wachsenden Organismen ausgelöst werden. Man unterscheidet grundsätzlich 2 Arten von Pu‘ Er-Tee: Ungereift gepresster und vor dem Pressen gereifter Pu‘ Er-Tee („roher“ und gereifter Pu‘ Er). Die Tradition und Kunst der Pu‘ Er-Herstellung stammt, wie die Gründer Doi Wawees und Doi Mae Salongs, aus der chinesischen Provinz Yunnan.

Eine Vorführung des Produktes durch die Resort-Inhaberin macht deutlich, dass nicht nur Herstellung und Einlagerung (hier: 5 Jahre!) des Pu‘ Er-Tees in Doi Wawee zur Kunst erhoben wurden, sondern auch seine Verpackung.

Pu' Er-Tee, Doi Wawee, Thailand, Kunst von Produkt und Verpackung

Im Übrigen produziert Doi Wawee eine nahezu identische, wenn auch etwas kleinere Palette an Tees wie Doi Mae Salong, insbesondere auch die feinen und weltbekannten taiwanesischen Tee-Spezies Oolong No.17 und Oolong No.12, nebst grünem Tee, Jasmin-Tee und von den Bergvölkern gesammeltem Jiaogulan-Tee.

Ban Doi Wawee („Doi Wawee Town“)

Am späten Nachmittag statten wir noch dem 4 km entfernten Doi Wawee Town („Ban Doi Wawee“) einen Besuch ab. Das Städtchen ist eher klein, sehr viel kleiner als Doi Mae Salong. Ansonsten sind die Ähnlichkeiten zwischen den beiden chinesischen Städtchen in den Bergen Nordthailands verblüffend.

Stadtkern der chinesischen "Tee-Stadt" Ban Doi Wawee, Nordthailand

Die „Attraktionen“ der Stadt sind beschränkt auf ein Internet-Cafe, in dem ich meine Emails nicht lesen kann, weil Yahoo nicht funktioniert, sowie eine Reihe kleiner lokaler Restaurants, in denen chinesische Reisgerichte und Nudelsuppen erhältlich sind.

Kern von Ban Doi Wawee: Restaurants mit Nudelsuppen und Reis

Ansonsten gibt es in Ban Doi Wawee noch einen weiteren Tee-Shop, der den Eindruck erweckt als diene er während der Saison gewissermaßen als Treff- und Anlaufpunkt für die wenigen Touristen.

Tee-Shop in Ban Doi Wawee, Nordthailand

In dem sonst praktisch keine Zeichen von Tourismus zeigenden Ort wirkt das Schild des Teeladens in deutscher und englischer Sprache zwar etwas deplatziert, aber es deutet doch darauf hin, dass hier schon einmal Ausländer durchgekommen sein müssen und ihr Erscheinen auch keineswegs unerwünscht ist.

Schild des Tee-Shops in Ban Doi Wawee in Deutsch und Englisch

Außer dem „Stadtkern“ selbst besitzt Ban Doi Wawee eine Reihe von Ausläufern, die sich bis auf halbe Höhe der umliegenden Hänge erstrecken, aber ebenfalls längst nicht so weitläufig sind wie die Doi Mae Salongs.

Ausläufer der chinesischen Tee-Stadt Ban Doi Wawee, Nordthailand

Den Rest des Abends machen wir es uns in unserem Resort gemütlich, wo ich mit unseren Gastgebern noch eine Weile über Entwicklung und Chancen des lokalen Teeanbaus plausche.

Doi Wawee – Doi Chang

Da mir zu Ohren gekommen ist, dass es etwa 4 km entfernt von Ban Doi Chang ein Dorf gibt, das sich, initiiert und geleitet von einem Kreis wohlhabender Philanthropen aus Bangkok, im größeren Stil der Produktion organischen Oolong und Grünen Tees gewidmet hat, führt unsere Rückreise nach Chiang Rai am nächsten Tag über den Doi Chang.

Berg-/Tal-/Fluss-Panorama zwischen Doi Wawee und Doi Chang

Obwohl wir besagtes Tee-Dorf an diesem Tag nicht mehr erreichen, da uns leider die Zeit davon läuft, ist der Umweg es eindeutig wert gemacht zu werden: auf dem Weg nach Doi Chang bieten sich uns, unter dem landschaftlichen Aspekt gesehen, einige der bemerkenswertesten Eindrücke unserer Reise.

Berg-Panorama unterwegs von Doi Wawee nach Doi Chang, Thailand

Die Szenerie wechselt praktisch mit jeder überwundenen Hügelkuppe, und die Tatsache, dass ich alle paar hundert Meter anhalten muss, um Fotos zu schießen, ist wahrscheinlich Schuld daran, dass wir die eigentlich geplante Besichtigung des Tee-Dorfes bei Ban Doi Chang auf die nächste sich bietende Gelegenheit verschieben müssen.

 

Berg-Panorama vor Doi Chang, Nordthailand

Immer wieder sehen wir kleinere Ansiedlungen der hier ansässigen Bergvölker, die sich idyllisch in die Hänge schmiegen.

An einen Hang geschmiegtes Bergdorf bei Doi Chang, Nordthailand

Je weiter wir uns Doi Chang nähern, desto spektakulärer werden Szenerie und Ausblicke.

Ausblick über die Bergwelt um Doi Chang, Nordthailand

Wir kommen bis kurz vor Ban Doi Chang, als uns in einem Restaurant am Straßenrand, in dem wir einen Imbiss zu uns nehmen, gesagt wird, der direkte Weg nach Ban Doi Chang sei wegen des Regens derzeit nicht befahrbar. Für uns heißt das, dass wir auf dem gleichen Weg zurück müssen, den wir gekommen sind. Wir werfen einen letzten bedauernden Blick auf das vor uns liegende Ban Doi Chang und treten dann den Rückweg an.

Ich beschließe, es mir nicht nehmen zu lassen, den Pu‘ Er-Tee für den Versand nach Deutschland demnächst persönlich in Doi Wawee abzuholen anstatt ihn mir wie angeboten schicken zu lassen, und diese Gelegenheit zu nutzen, dem diesmal nicht erreichten Tee-Dorf bei Ban Doi Chang doch noch einen Besuch abzustatten.

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