Die Kleine Teeschule – Teil 1 : Was ist Tee?

Was ist Tee?

Als Tee bezeichnet man ein alle aus der Teepflanze „Camellia Sinensis“ gewonnenen Aufgussgetränke. Aufgussgetränke auf Basis anderer Kräuter, Früchte oder Gewürze sind dagegen eigentlich kein Tee. Allerdings wird der Begriff „Tee“ im deutschen Sprachgebrauch häufig auch für diese verwendet. Zum Beispiel „Kamillentee“…

Beidou Da Hong Pao Teebüsche der ersten Ablegergeneration der Mutterbüsche im Teegarten der Familie Chen, Wuyishan, Provinz Fujian, China
Da Hong Pao Teebüsche in Wuyishan, Fujian, China

Die Teepflanze – Camellia Sinensis

Die Camellia Sinensis kommt ursprünglich aus Südostasien. Ihre evolutionäre „Wiege“ dort ist die Region der heutigen Länder China, Myanmar, Laos, Vietnam, Nordthailand und der Nordostzipfel Indiens. Ursprünglich wächst die Pflanze als bis zu 20 Meter hoher Baum mit bis zu 15cm langen Blättern. Dank ihrer Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche „Terroirs“ (Zusammenspiel zwischen Klima und Boden) hat die Teepflanze seither jedoch auch andere Regionen Asiens – und der ganzen Welt – „erobert“. Die meisten der so entstandenen Unterarten der Camellia Sinensis erreichen keine Baumhöhe mehr, sondern wachsen als Büsche unterschiedlicher Höhe.

Wild wachsende Teebäume in Nordvietnam
Wild wachsende Teebäume in Nordvietnam

Die Vermehrung der Teepflanze erfolgt auf zweierlei Art. Dies wäre einmal durch die Samen der Teepflanze und zum anderen durch die Aufzucht von Ablegern, sog. „Klone“. Vorteile der Vermehrung durch Ableger sind hierbei die höhere Anzahl potentieller „Nachkommen“ sowie das schnellere Erreichen von deren Pflückreife. Allerdings hat die heute im der kommerziellen Teeanbau überwiegende Methode auch Nachteile. So bilden die Wurzeln der Klone sich nur vergleichseise oberflächlich aus. Dagegen reichen die stark verästelten Wurzeln vom Samen gezogener Teepflanzen bis zu über 2m tief in die Erde hinein. Es heißt deshalb häufig, vom Samen gezogene Teepflanzen seien reicher an Inhalts- und Wirkstoffen als Klone.

Teesamen am Strauch
Teesamen an „Tuyet Shan“ Teebäumen, Nordvietnam

Um Zugänglichkeit und Ertrag von Teepflanzen im kommerziellen Anbau zu maximieren, schneidet man ihre Äste einmal jährlich zurück. Hierbei hängt die genaue Schnitthöhe vom Alter der Pflanze und von der jeweiligen Varietät ab. Nach dem Schnitt treibt die Teepflanze an den „Schnittstellen“ verstärkt neue Triebe aus. Dies erhöht die Menge an pflückbaren Teeblättern – und damit den Ertrag – beträchtlich.

Periodisch zurückgeschnittene Teebüsche im Teegarten - Bihar, Indien
Periodisch zurückgeschnittene Teebüsche im Teegarten – Bihar, Indien

Artenvielfalt = Sortenvielfalt

Evolution und kommerzieller Anbau haben dafür gesorgt, dass es heute sehr viele verschiedene Teepflanzenvarietäten und -Kultivare gibt. Allerdings ist es wichtig zu wissen, dass eine Varietät nur unter vergleichbaren Terroir-Bedingungen vergleichbaren Tee produzieren, d. h. sie selbst sein wird. Sehr viele Teesorten sind deshalb „herkunftsgebunden“. Gute Beispiele hierfür wären Steintees aus Wuyishan und Long Jing Tee aus Hangzhou, aber auch Darjeeling-Tees.

Yunnan Teebaum - Bildung neuer Triebe nach dem Zurückschneiden
Yunnan Teebaum – Bildung neuer Triebe nach dem Zurückschneiden

Nun sind Terroir und Varietät nicht die einzigen identitätsstiftenden Faktoren eines Tees. Welche Faktoren sonst noch für die genaue „Sorte“ eines Tees in eurer Tasse und deren jeweilige qualitative Ausgestaltung verantwortlich sind, verrät euch demnächst der zweite Teil meiner kleinen Teeschule!

Empfohlene Quellen und Begleitmaterialien

Als begleitende und vertiefende Quellen zu Teil 1 der Kleinen Teeschule empfehle ich:

–              die bereits fertiggestellten Lektionen 1-4 meines Teekurses auf TeeKolleg Online. Dort findet ihr animierte Videos, ausdruckbare Kursmaterialien und einen kleinen Lernerfolgskontrolle für jedes der hier behandelten Themen:

  1. Lektion 1 : Was ist eigentlich Tee?
  2. Lektion 2 : Die Teepflanze – Camellia Sinensis und ihre Unterarten
  3. Lektion 3 : Ursprung und Verbreitung der Teepflanze
  4. Lektion 4 : Teesorten, Varietäten und Kultivare

–              die ausführlichen und reich illustrierten Texte zu jedem Themenbereich im Siam Tee Blog, zu diesem Teil 1:

  1. Was ist eigentlich Tee? – Camellia Sinensis vs. „teeähnliche Erzeugnisse“
  2. Ursprung u. evolutionäre Verbreitung d. Teepflanze in China u. Südostasien
  3. Teesorten und ihre Varietäten    

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