Jan. 2017 : Der Teepreis – und wie er zustandekommt

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26.02.2017

Der Teepreis – Teewert = Teepreis ?

Ein Tee ist billig, ein Tee ist teuer… was heißt das eigentlich? Nun, im allgemeinen Sprachgebrauch bedeutet es zunächst einmal gar nichts. Menschen benutzen die Worte „billig“ und „teuer“ in der Regel subjektiv. Das heißt, sie bezeichnen damit den auf emotionaler Ebene wahrgenommenen Wert eines Tees. Faktoren, die in eine solche Bewertung einfließen, sind beispielsweise der eigene, ebenfalls subjektiv wahrgenommene finanzielle Wohlstand sowie aus dem persönlichen Hintergrund heraus willkürlich gewählte Vergleichspunkte. Und natürlich spielt der Markt mit den Mechanismen solch subjektiven Wertempfindens. So wird der wahrgenommene Wert eines Tees beispielsweise durch luxuriös anmutende Verpackungen, ein nobles Ambiente im Verkaufsraum, das Image einer Marke und die großzügige Verwendung suggestiver Begriffe beeinflusst.

Solch subjektivem Wertempfinden gegenüber steht das ökonomische Konzept des Marktpreises. Nach diesem sind es neben dem Faktor Knappheit, der insbesondere bei Teesorten oder -Qualitäten mit limitierter Verfügbarkeit zum Tragen kommt, die verschiedenen Kostenstellen, die den objektiv kalkulierten Teepreis bestimmen. Kosten fallen beim Tee – wie bei vielen anderen Produkten – grundsätzlich auf 4 Ebenen an: Anbau, Verarbeitung, Logistik und Vertrieb. Wir wollen die auf jeder dieser Ebenen rund um den Tee entstehenden Kosten im Folgenden ein wenig näher betrachten.

Zum Teepreis beitragende Kostenfaktoren

Der Teepreis – Kosten des Teeanbaus

Die auf Teegarten-Ebene entstehenden Kosten sind relativ offensichtlich. Zum einen ist es der Teegarten selbst, also die Anbaufläche, die erworben oder gepachtet werden muss. Dazu kommen Positionen wie Saatgut, Düngemittel, zum Betrieb des Gartens notwendiges Gerät und Betriebsmittel. Dann muss das Saatgut gesät, der Garten gepflegt und die Ernte eingebracht werden. Arbeitskräfte müssen für die verschiedensten Verrichtungen beschäftigt werden, z. B. Pflücker zum Einbringen der Ernte. Ein auf dieser Ebene besonders stark zum Tragen kommender Faktor ist deshalb der Faktor Personal.

Eine weitere, gerade auf dieser Ebene besonders häufig außer Acht gelassene Kostenstelle, ist der Faktor Know-how. Schulung, Ausbildung, Training, der Erwerb von Kompetenzen auf theoretischer und von Fertigkeiten auf praktischer Ebene sind essentiell für die Qualität der gepflückten Teeblätter.

Kosten auf Teegartenebene: Land, Arbeit, Know-how, Saatgut, Pflege, Düngemittel, usw.

Kosten auf Teegartenebene: Land, Arbeit, Know-how, Saatgut, Pflege, Düngemittel, usw.

Der Teepreis – Kosten der Teeverarbeitung

Weiter geht es in der Teefabrik. Die Räumlichkeit muss bereitgestellt – gekauft, gebaut oder gepachtet – werden. Dann spielt auch hier der Faktor Arbeit eine Rolle. Früher, als Verarbeitungsprozesse noch weitgehend manuell erfolgten, sogar eine Hauptrolle. Heute sind es vor allem die verschiedenen heute zur Teeverarbeitung eingesetzten Anlagen, Einrichtungen und Maschinen, die auf dieser Ebene hohe Kosten verursachen. Dazu kommen Betriebsmittel wie elektrischer Strom, Treibstoffe, Holzkohle usw. sowie der in heutiger Zeit immer größere Bedeutung gewinnende Faktor Verwaltung. Prozesse werden definiert und dokumentiert, Ergebnisse protokolliert, wirtschaftlich relevante Zahlen fließen in die Buchhaltung ein.

Ebenso wie im Anbau ist das Know-how auch hier ein besonders wichtiger und häufig unterbewerteter Kostenfaktor. Das Wissen um die Feinheiten der Verarbeitung der Teeblätter in den unterschiedlichen Verarbeitungskategorien ist von essentieller Bedeutung für Qualität und Geschmack des fertigen Tees. Hierbei sind der Erwerb und die Weitervermittlung einschlägiger Kompetenzen, bzw. die Beschäftigung entsprechend qualifizierter Mitarbeiter, ein oft unterschätzter Kostenfaktor.

Für den Preis des Tees relevante in der Teefabrik anfallende Kosten: Räumlichkeiten, Arbeit, Know-how, Anlagen und Equipment, Betriebsmittel, usw.

Kosten i. d. Teefabrik: Räumlichkeiten, Arbeit, Know-how, Anlagen und Equipment, Betriebsmittel, usw.

Der Teepreis – Kosten der Logistik

Der Tee ist nun fertig verarbeitet. Bis in unsere Tasse hat er aber noch einen weiten Weg vor sich. Früher war dies immer zuerst der Weg zum nächsten Seehafen und es dauerte Monate, bis Tee in Europa angekommen war und dort – auf dem Umweg über die großen Teekontore – in den Einzelhandel gelangte. Heute tut es statt dem Seehafen auch schon mal der Flughafen, und dank moderner Post-, Fracht- und Kurierdienste erreichen die frischen First Flushes aus Darjeeling oder Shincha-Tees aus Japan uns bereits wenige Wochen, wenn nicht Tage nach ihrer Pflückung und Verarbeitung.

Die hiermit verbundenen Kosten liegen auf der Hand. Ob Flugzeug oder Schiff, Lastwagen oder Eisenbahn, alle diese Transportmittel kosten viel Geld in der Anschaffung. Dazu verbrauchen sie Treibstoff, müssen organisiert, gewartet und verwaltet werden. Lagerkosten entstehen an mehreren Punkten in der Kette vom Erzeuger zum Einzelhändler. Auf allen Stufen der Logistik-Kette fallen Verwaltungskosten an. Weitere Kosten ergeben aus den Anforderungen der sachgerechten Lagerung und Verwahrung des fertig verarbeiteten Tees selbst. Hierbei erfordern alle involvierten Prozesse einschlägig qualifiziertes Personal, was die Kostenfaktoren Arbeit und Know-how ins Spiel bringt.

Im internationalen Warenverkehr fallen außerdem Kosten für Zollgebühren, Einfuhrumsatzsteuer, Abwicklung und Compliance-Tests an. Diese gewinnen gerade für Tee und insbesondere für Länder der EU als Importländer während der vergangenen Jahre zunehmend an Signifikanz.

Tee-Logistik-Kosten : englischer Tee-Clipper

Der Teepreis – Kosten des Vertriebs

Ist der Tee erst einmal bei uns angekommen, ist das Ende der Kostenkette noch lange nicht in Sicht. Vom Teekontor zum Großhändler, vom Großhändler zum Einzelhändler… Immer wieder Transport, immer wieder Lagerung, immer wieder Umsatzsteuer…. Kosten für Räumlichkeiten und Einrichtungen, Verwaltungskosten, Betriebsmittel und entsprechend qualifiziertes Personal entstehen auf jeder Stufe der Vertriebskette bis hin zum Einzelhändler sowie bei diesem selbst.

Der Preis des Tees - Tee-Display im Einzelhandel

Der Teepreis – Unternehmergewinne

Und natürlich wollen alle am Weg des Tees vom Teegarten bis in die Tasse beteiligten Instanzen auch etwas verdienen. Erzeuger, Spediteure, Großhändler, Zwischenhändler, Einzelhändler sowie eine ganze Reihe spezialisierter Serviceanbieter (insbesondere im Bereich Logistik), sie alle fügen dem Preis eines Tees an ihrem Punkt in der Kette ihren Unternehmergewinn hinzu.

Wenn man es sich genau überlegt, ist es eigentlich ein Wunder, dass wir uns den Tee am Ende dieser Kostenkette überhaupt noch leisten können.

Der Weg des Tees vom Teegarten bis in die Tasse : Unternehmergewinne

Der Teepreis – eine Frage von Qualität und Masse

Wenn also nun jeder bei uns angebotene Tee die oben beschriebene Kostenkette durchläuft, wie kommt es dann zu den gigantischen Unterschieden im Teepreis, z. B. für verschiedene Sorten und in unterschiedlichen Segmenten des Einzelhandels ?

Wie weiter oben bereits erwähnt, spielt Knappheit für den Preis des Tees natürlich eine Rolle. Ist eine Teesorte z. B. aufgrund beschränkter Anbaukapazitäten am Ort ihrer Herkunft weniger verfügbar als sie nachgefragt wird, so steigt ihr Preis. Darüber hinaus ist fast alles eine Frage von Qualität und Masse.

Beide Faktoren stehen im direkten Zusammenhang mit der konkreten Ausgestaltung der einzelnen Kostenstellen auf den 4 beschriebenen Ebenen. Sind die qualitativen Anforderungen niedrig, so sind die im Zusammenhang mit Anbau, Verarbeitung, Lagerung, Transport und Vertrieb für einen Tee anfallenden Kosten ebenfalls niedrig. Für hohe Anforderungen an die Qualität eines Tees gilt das Gegenteil. Ähnlich verhält es sich mit der Masse. Je größer das Gesamtvolumen des erzeugten, verschifften und vertriebenen Tees, desto geringer die pro Kilo entstehenden Kosten.

Der Preis unseres Tees hängt also nicht nur von dessen Qualität, sondern auch von dessen Individualität ab. Gute Pflück- und Verarbeitungsqualitäten aus kleinen Erzeugerbetrieben mit einem hohen Anteil manueller Prozesse werden so zwangsläufig mehr kosten als die in den Teeregalen von Super- und Discountermärkten angebotene Massenqualität.

Der Weg des Tees vom Teegarten bis in die Tasse : Unternehmergewinne

 

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