Thai-Tee Blog

Doi Mae Salong – Neues Mekka für Teeliebhaber in Nordthailand

Doi Mae Salong… ein chinesisches Kleinod in den Bergen Nordthailands und ein wahres Mekka für jeden Teeliebhaber, erreichbar nur über eine schmale, kurvenreiche Straße, die sich wahlweise von Mae Chan oder von Thaton aus über viele Kilometer immer weiter die Berge hinauf windet, bis sich in etwa 1600m Höhe schließlich die Perle des nordthailändischen Teeanbaus vor dem Auge des Besuchers ausbreitet.

Panorama view of Doi Mae Salong, north Thailand

Gegründet wurde die in dem sonst nur von einer Reihe aus Yunnan eingewanderter Bergvölker dünn besiedelten Niemandsland nahe der thailändischen Grenze zu Burma (Myanmar) gelegene Bergenklave Anfang der 50er Jahre von Überbleibseln von Chiang Khai Cheks konterrevolutionärer Kuomintang-Armee nach deren Vertreibung aus China durch Mao Tse Tungs Revolutionstruppen. Eher traurige, wenn auch abenteuerliche Berühmtheit erlangte Doi Mae Salong während der 70er Jahre als einer der Knotenpunkte des Opiumanbaus und -Handels im berüchtigten Goldenen Dreieck (Burma-Thailand-Laos). Die während der 80er Jahre von höchster (königlicher) Ebene durchgesetzte Ausmerzung des Opiumanbaus in Nordthailand sollte jedoch nicht die letzte Etappe der Region auf ihrem Weg in die Geschichtsbücher sein. Vielmehr sollte Doi Mae Salong sich in Folge wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche erheben und als eine Kombination aus Juwel chinesischer Kultur, Kunstwerk der Natur und Zentrum des Teeanbaus in Nordthailand in neuem Licht erstrahlen.

Sonnenuntergang über Doi Mae Salong

Als Michael Pieracci von P & T (Paper & Tea) aus Berlin sich im Februar 2015 mit der Bitte an mich wandte, ihn bei seiner Planung eines Besuchs in Doi Mae Salong zu beraten, war dies bereits ein Deja Vu: während Teefreunde weltweit noch vor wenigen Jahren ironisch-zweifelnd die Augenbrauen nach oben zogen, wenn ich von Tee aus Nordthailand, oder „Thai-Oolongs“ sprach, sind selbige heute im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde, und es vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht eine vergleichbare Anfrage als Reaktion auf meinen Thailand Tee Blog und meine hier versammelten einschlägigen Artikel zu Doi Mae Salong und dem Teeanbau in Nordthailand erhalte. So ist meine Antwort mittlerweile bereits Standard: eine Wegbeschreibung, eine Empfehlung für Unterbringung in einem Bungalow mit überwältigender Aussicht über Teegärten, Stadt und Land, und alles weitere dem Zufall und/oder der Eingebung zu überlassen.

Blick über Doi Mae Salong, Nordthailand

Was initial als eher sparsamer Rat erscheinen mag, erweist sich bei der Ankunft in Doi Mae Salong schnell als vollkommen ausreichend. Doi Mae Salong „hat“ nicht Tee, Doi Mae Salong IST Tee. Die Hauptstraße der inselartigen Bergenklave ist gesäumt von Teefabriken und den diesen zugehörigen Shops, in denen die Erzeuger ihre Tee-Erzeugnisse anbieten. Die Ladenfronten stehen weit offen, aus ihrem Inneren ertönen Stimmen, die den Passanten zwar nicht in englischer Sprache, aber dennoch kaum missverständlich auffordern, zur kostenlosen und unverbindlichen Teeverkostung einzutreten.

Teegärten prägen das Stadtbild und Umland von Doi Mae Salong

Typisch für Doi Mae Salong und Nordthailand sind Oolong-Tees: Jin Xuan Oolong Nr. 12, Ruan Zhi Oolong Nr. 17, Four Seasons Oolong, Dong Ding Oolong und Oriental Beauty Oolong Tee (Thai: „Cha Nang Ngam“), gewonnen von den jeweiligen aus Taiwan importierten Teekultivaren. Daneben tragen die Erzeugnisse aus der in Nordthailand heimischen großblättrigen Teepflanzenvarietät, welche eng mit dem yunnanesischen „Ur-Teebaum“ verwandt ist, zur Bereicherung der nordthailändischen Teelandschaft bei und unterstreichen deren individuellen Charakter. Neben den erwähnten Oolong-Tees werden basierend auf dem lokalen Reichtum an Teekultivaren mit der Entwicklung des einschlägigen Verarbeitungs-Knowhows zunehmend auch grüner Tee und schwarzer Tee sowie einige beduftete Tees oder aromatisierte Tees hergestellt. Ein Vertreter der letzteren ist der „Chao Khao Hom“ Thai Reistee, der anders als man erwarten könnte nicht wirklich irgendetwas mit japanischem Genmaicha Tee zu tun hat, sondern vielmehr eine exklusive Tee-Spezialität Nordthailands ist.

101 Teegarten in Doi Mae Salong, Nordthailand

Ein Ausflug in die Teeplantagen? Sie sind schon da! Kleinere und größere Teegärten und -Hänge prägen das Stadtbild von Doi Mae Salong ebenso wie die Fabriken, Shops und Gebäude in traditionellem chinesischem Baustil. Was nicht heißen will, dass ein Ausflug in die Umgebung sich nicht lohnen würde: „konventionelle“ Teegärten, in denen der Anbau der genannten taiwanesischen Oolongtee-Kultivare in ästhetischer Vollendung und Vielfalt gepflegt werden, wechseln sich ab mit Flächen „kultivierten Wildwuchses“ der einheimischen Tee-Bäume. Ein Muss für jeden Besucher ist das „Tee-Monument“ oder „Tee-Denkmal“ von Doi Mae Salong: ein Park aus überlebensgroßen, als Teestuben fungierende Teekannen-„Bauten“ und weiteren artverwandten, der chinesischen Teekultur entspringenden Skulpturen.

Teestube in Teekannenform als Teil des Tee-Monuments in Doi Mae Salong

Einzigartig an Doi Mae Salong ist neben der Ballung chinesischer Kultur, Architektur und Teekultur in historischer Reinform und den natürlichen Reizen der Region auch die Paarung dieser Merkmale mit der sprichwörtlichen thailändischen Gastfreundlichkeit: die herzlichen und freundlichen Bewohner der Stadt empfangen jeden Besucher als gern gesehenen Gast. Darüber hinaus besticht die Region mit ihrer bunten Vielvölker-Mischung und der damit einhergehenden kulturellen Vielfalt: verstreut im Umland von Doi Mae Salong leben in kleinen Dörfern Angehörige von mindestens 6 verschiedenen, im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts aus Yunnan eingewanderten Bergvölkern, deren ethnische Wurzeln bis nach Tibet reichen: Lisor (Lisu), Muser (Lahu), Ekor (Akha), Kariang (Karen), Meo (Hmong) und Yao sowie Angehörige des Shan-Volkes (Tai Yai, Dai) pflegen trotz des unübersehbaren Einflusses von Neuzeit und „Zivilisation“ in ihren jeweiligen Dörfern noch sehr lebhaft ihre althergebrachten Kulturen, Bräuche und Sitten.

101 Teegarten in Doi Mae Salong, Nordthailand

Michael hatte seinen Besuch in Doi Mae Salong ausgerechnet so geplant, dass er auf die Zeit des thailändischen Neujahrsfestes (13. -15. April) fiel. Nicht unbedingt die beste Zeit, ein freies Zimmer zu finden, aber doch im jungen Frühling, und welche Zeit könnte für den Besuch in einem Tee-Mekka wie Doi Mae Salong besser geeignet sein als der junge Frühling, wenn die lokalen Tee-Erzeuger in ihren Shops zur Verkostung der frischen „First Flush“ Tees des neuen Jahres einladen? Dank meiner Vorab-Empfehlung war es Michael gelungen, sich meinen persönlichen Lieblingsplatz auf Erden zu sichern: einen inmitten von Doi Mae Salong über den Teegärten des Khum Nai Pol Resorts thronenden Bungalow, dessen Veranda dem Gast eine wahrhaft spektakuläre Aussicht auf die darunterliegende einzigartige Mischung aus kunstvoll angelegten Teegärten, malerischem Städtchen mit chinesischer Architektur und überwältigender Panorama-Berglandschaft bietet. Wie von mir vorhergesehen, ergab sich der Rest von selbst… die freundliche und hilfsbereite Gastgeberin organisierte eine Führung zu den Teegärten und der Teefabrik von 101, dem größten lokalen Teeerzeuger, und sorgte auch sonst dafür, dass es den Gästen an nichts fehlte.

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Seine Zeit auf der oben beschriebenen „legendären“ Veranda verbrachte Michael mit einem interessanten Experiment: mit den bescheidenen Mitteln eines Reisenden (Schatten zum Welken, Sonne zum Trocknen, zweckentfremdeter Wasserkocher zum Fixieren), verarbeitete er mehrere Handvoll im Teegarten zu seinen Füßen selbst gepflückte Teeblätter zu… na ja, zu was eigentlich genau? Schwer zu sagen, auf Michaels Fotos sieht es irgendwie aus wie Bai Mu Dan, aber seht und lest selbst in Michael’s Blog:

A visit to Doi Mae Salong – by Michael Pieracci

Als mich Michaels Updates, Fotos und Feedbacks live aus Doi Mae Salong (World Wide Web macht’s möglich) und schließlich Michaels oben verlinkter einschlägiger, nach seiner Rückkehr in die „Zivilisation“ verfasster Blog in meinem vorübergehenden Domizil in dem saarländischen Dorf Nonnweiler-Otzenhausen erreichten, wo der Frühling sich Mitte April noch eher von der verhaltenen Seite zeigte, bewog mich dies dazu, einige Sammlungen von Fotos durchzusehen, die ich während der letzten Jahre in Doi Mae Salong gemacht habe. Dabei stieß ich auch auf die hier veröffentlichten Fotos aus dem Jahr 2013, für deren Veröffentlichung im Thailand Tee Blog sich bisher noch keine Gelegenheit ergeben hatte.

Löwen als Wächter des Tee-Denkmals in Doi Mae Salong

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